Borreliose - Kleintierpraxis am Westring: Service PLUS für Katzen

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Borreliose

Tierkrankheiten
 

Mittlerweile hat sich die Borreliose in Mitteleuropa flächendeckend verbreitet, von einem Süd-Nord-Gefälle kann man eigentlich nicht mehr sprechen. Ca. jede 3. - 5. Zecke enthält den Erreger. Die Borreliose ist also eine von Zecken übertragene Krankheit. Es gibt mehrere Borrelienarten, in "unseren" Zecken finden sich drei Arten.

Die Borreliose, auch Lyme - Borreliose genannt, ist eine oft fieberhafte Krankheit, die grippeähnliche Symptome, Hautrötung an der Zeckenbißstelle, später Gelenksentzündungen (Polyarthritis), Nierenentzündungen (Glomerulonephritis), Nervenentzündungen (Neuritis, Meningitis), und Herzerkrankungen (Endocarditis, Pericarditis) hervorruft. Die Krankheit verläuft in Schüben, eine erfolgreiche Behandlung des akuten Schubes kann trotzdem weitere Schübe nicht sicher unterbinden. Chronische Arthritis, chronische Neuritis und chronische Hauterkrankungen können die Spätfolgen sein.

Die Diagnose bei Borreliose-Verdacht erfolgt über einen Bluttest
. Dieser weist Antikörper des Patienten gegen die Borrelien nach und ist deshalb erst dann einsetzbar, wenn der Patient diese Antikörper gebildet hat. Das ist etwa nach 30 Tagen der Fall. Beim Hund ist dieser Zeitraum auch ausreichend, denn die ersten Symptome treten in der Regel erst 50 Tage nach der Infektion auf.
Eine rechtzeitige Behandlung nach einer Borrelien-Infektion ist daher möglich. Eine Behandlung erscheint nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ohnehin erst nach ca. 50 Tagen sinnvoll, um dem Hundepatienten nicht die Möglichkeit zu nehmen, selbst Antikörper zu bilden. Eine überstandene Erkrankung beschert dem Patienten jedoch keine dauerhafte Immunität und damit keinen Schutz vor weiteren Infektionen. Das hat vor allem damit zu tun, daß die Borrelien im Körper des Patienten außerordentlich variabel an ihrer Oberfläche sind. Sie verändern dabei die oberflächliche Proteinschicht (OspC), die die Antikörper erkennen sollen. Eine Impfung gegen den Erreger scheint aufgrund dieser Variabilität schwierig: Impfantikörper können nur dann den Erreger inaktivieren, wenn dieser für sie an der Oberfläche immer gleich aussieht (Ähnliche Schwierigkeiten gibt es beispielsweise bei der Entwicklung eines HIV - Impfstoffes für den Menschen). Später dazu mehr.
Zur Behandlung werden Antibiotika in relativ hohen Dosen über einen langen Zeitraum von 30 Tagen verabreicht. Arzneimittelnebenwirkungen sind bei der Behandlung v.a. mit Doxycyclin nicht gänzlich auszuschließen. Die Behandlung heilt die Symptome eines akuten Schubes zuverlässig, der Patient gesundet, der Erreger wird jedoch nicht vollständig eliminiert. Damit kann es später zu weiteren Schüben kommen. (s.o.)

Entgegen der - auch im Internet - weit verbreiteten Meinung gibt es keine genetisch bedingte Resistenz gegen die Borreliose. Auch scheinbar resistente Tierarten, wie z.B. die Katze, werden infiziert und erkranken (d.h. die Borrelien lassen sich in den Gelenken der Patienten nachweisen). Die Symptome allerdings erkennen wir oft nicht. Die Tatsache allein, daß man selten humpelnde Füchse oder Rehe im Wald sieht, ist kein Beweis dafür, daß diese Tierarten nicht erkranken.

Die Borrelien passen sich ihrem jeweiligen Wirt an. In der Zecke haben sie eine oberflächliche Proteinschicht (OspA), die den Temperaturbedingungen des Wirtes Zecke (~ 20°C) optimal angepasst ist. Glücklicherweise ist dieses Protein stabil genug, um dagegen einen Impfstoff entwickeln zu können. Die allermeisten auf dem Weltmarkt erhältlichen Impfstoffe sind also Anti - OspA-Impfstoffe. Schauen wir also kurz auf die Situation beim Zeckenbiß:


  •    Zecke dockt an, durchbohrt die Haut und bildet unter der Haut über ihren Speichel einen Blutsee.

  •    Zecke beginnt, zu saugen.

  •    Ist die Zecke infiziert, dann kommen nun die Borrelien, die im Zeckendarm leben, mit dem gesaugten Patientenblut in Kontakt.

  •    Alsdann beginnen die Borrelien mit ihrer Transformation und passen ihre Außenseite dem zukünftigen Wirt an: aus OspA wird OspC.

  •    Gleichzeitig wandern die beweglichen Borrelien über die Körperhöhle der Zecke in die Speicheldrüsen.

  •    Dieser Vorgang dauert etwa 24 Stunden.

  •    Am zweiten Tag des Zeckenbisses beginnen die Zecken mit ihrem Speichel Borrelien zu übertragen.


Das Blut geimpfter Hunde mit Anti - OspA tötet die Borrelien bereits im Darm der Zecke (!), eine Wanderung in der Zecke und Übertragung auf den Hund findet dann nicht mehr statt. Der Impfstoff wirkt  also in der Zecke und nicht im Hund und nur gegen Borrelien in Zecken (mit OspA) und nicht gegen Borrelien in Hunden (mit OsPC).

Die Impfstoffe auf dem Weltmarkt sind nahezu ausnahmslos (s.o.) Anti - OspA - Impfstoffe. Das OspA wird entweder gentechnisch hergestellt, oder aus Borrelien gewonnen. Dabei wird ein Lysat gebildet, das ein Proteingemisch enthält. Durch einen Filterschritt wird erreicht, daß das Endprodukt im überwiegenden Anteil aus OspA besteht. Ganze Borrelien sind im Impfstoff nicht enthalten.
Alle Borrelienarten enthalten (in der Zecke) OspA, ein Anti-OspA-Impfstoff sollte also gegen alle Borrelien schützen. Der in meiner Praxis
erhältliche Impfstoff  gewinnt sein OspA aus den 3 wichtigen Borrelienarten. Borrelienarten. Wie die Impfung in der Zecke wirkt, ist nicht untersucht. Im Hund werden nach der Impfung Antikörper gegen OspA in genügendem Maße gebildet. Allerdings können im ersten Jahr der Impfung bei einigen wenigen Patienten die Impfantikörper im Laufe des Zyklus unter die kritische Marke abfallen. Eine weitere Nachimpfung zusätzlich zu der vom Hersteller empfohlenen nach ca. 6 Monaten ist  deshalb sicherer und ratsam.

 

Zusammengefasst:
die Schutzwirkung ist im 2. Jahr besser, als im ersten Jahr.
Der in Deutschland erhältliche Impfstoff ist kein Sonderfall: nahezu alle auf dem Weltmarkt erhältlichen Borrelioseimpfstoffe sind Anti - OspA - Impfstoffe
eine Impfung bereits erkrankter Tiere ist nicht ratsam: Bei manchen Rassen (z.B. Berner Sennenhund) könnte dies sogar gefährlich sein. Hier ist ein Test vor der ersten Impfung ratsam, wenn der Hund bereits Zecken hatte.
Eine Impfung erfolgreich behandelter Tiere ist jedoch möglich.
Die Prophylaxe der Borrelieninfektion besteht aus drei Säulen:

1. tägliche Zeckenkontrolle (Absammeln innerhalb der ersten 24 Std. kann die Infektion verhindern)
2. Vectra 3D zur Floh- und Zeckenprophylaxe regelmässig anwenden.
3. Impfung

 
 
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