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Echinokokkose - Fuchsbandwurm

Tierkrankheiten

Pressemitteilung von Freitag, 11. März 2011

"Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Das Veterinäramt und das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises weisen auf den hohen Befall von Füchsen im Rhein-Sieg-Kreis mit dem auch für den Menschen gefährlichen Kleinen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) hin.

Hintergrund ist eine aktuelle Mitteilung des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit in Wusterhausen. Das Institut hatte 37 im Laufe des vergangenen Jahres im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis erlegte Füchse untersucht, und dabei bei jedem zweiten Tier teilweise erhebliche Befallsraten mit dem Erreger festgestellt. Diese liegen deutlich über dem vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes NRW angenommenen Verseuchungsgrad der Fuchspopulation von 30-40 Prozent.

Weil sich über die mit dem Kot der infizierten Füchse ausgeschiedenen Wurmeier Hunde und Katzen, aber auch der Mensch infizieren können, möchte die Kreisverwaltung an dieser Stelle wichtige Hinweise zum Umgang mit dem Erreger geben.

Insbesondere sollten Hunde- und Katzenhalter ihre Tiere regelmäßig entwurmen beziehungsweise durch regelmäßige Untersuchungen sicherstellen, dass kein Befall vorliegt. Anderenfalls besteht die Möglichkeit, dass Hunde und Katzen, bei denen ein Befall in der Regel unbemerkt erfolgt, durch das Ausscheiden von Wurmeiern eine Gefahr für den Menschen darstellen. Der Mensch zählt zwar nicht zu den typischen Wirten des Fuchsbandwurmes, kann sich aber dennoch durch die Aufnahme von Wurmeiern infizieren. Ein regelmäßiger Besuch beim Tierarzt sollte daher für jeden Hunde- und Katzenhalter die Regel sein.

Die im menschlichen Körper aus dem Ei schlüpfenden Bandwurmlarven beginnen im Lebergewebe wuchernde Zysten zu bilden und können in seltenen Fällen in Bauchfell, Lunge und Gehirn streuen. Da das Wachstum dieser Zysten außerordentlich langsam ist, zeigen sich erste Symptome – meist Bauchschmerzen – oft erst bis zu 15 Jahre nach der Infektion. Die Diagnose wird hauptsächlich mittels Ultraschall-Untersuchungen und serologischen Blutuntersuchungen gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten oder durch Operation. Zum Glück ist die Erkrankung sehr selten: 2010 kam es im gesamten Regierungsbezirk Köln nur zu sechs Erkrankungen, was dem Bundesdurchschnitt entspricht."


Der Hund als Ansteckungsquelle für den Menschen?

Unter Echinokokkose versteht man eine Erkankung, die durch den Bandwurm Echinococcus granulosus oder Echinococcus multilocularis ausgelöst wird. Warum die Echinokokkose so eine knifflige Erkrankung ist, werden Sie gleich verstehen: Mit den Bandwürmern geht es schon los:

Fischbandwurm oder Rinderbandwurm sind für den Menschen noch eine recht harmlose Sache: Otto Normalverbraucher iss
t ein Brötchen mit Tartar, also rohem Rinderhackfleisch, und wundert sich nach einigen Wochen über die weißlichen Bandwurmglieder im Kot (wenn er das überhaupt bemerkt. Mit unseren modernen WC´s ist es ja fast unmöglich, seiner eigenen Ausscheidungen ansichtig zu werden). Ansonsten geht es ihm vermutlich ganz gut, denn so ein Bandwurm ist gar nicht so epicht darauf, im Wirt - also in unserem Otto Normalverbraucher - großartig aufzufallen. Vielleicht sind gesteigerter Appetit und zeitweilige Verdauungsstörungen, die sofort nach einem Schnäpschen verlangen, weitere, wenn auch nicht sehr spezifische Symptome eines solchen Bandwurmbefalls. Erst spät werden die Beschwerden, die so ein Bandwurm verursacht, heftiger, selten gibt es wirklich ernsthafte Komplikationen. Schlussendlich bekommt Otto von seinem Arzt eine Wurmkur - genau, wie unsere Hunde- und Katzenpatienten - und der Bandwurm verabschiedet sich aus unserem Otto.

Unser Musterpatient hat sich angesteckt an der Bandwurmfinne, also quasi der Larve des Bandwurmes in dem rohen Rindfleisch,
und danach einen Bandwurm entwickelt. Er ist Bandwurmwirt geworden. Bandwürmer leben im Darm und geben nach einiger Zeit kleine Bandwurmglieder in die Umgebung ab, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden. Und weil der Otto den Bandwurm (und nicht die Finne) in sich beherbergt, nennt man ihn Endwirt. Eigentlich müsste man ihn Ersatzendwirt nennen, denn der richtige Endwirt für den Rinderbandwurm wäre ein Tier gewesen, das die Bandwurmglieder auch wieder auf der Wiese verteilt (und nicht ins Klo), damit sich erneut ein Rind daran infizieren kann. Rinder sind (s.o.) die Träger der Bandwurmlarven, also der Finnen und heißen Zwischenwirte. Der Ansteckungskreislauf ist geschlossen. Es freut sich der Rinderbandwurm.

Verlassen wir unser Beispiel Rinderbandwurm und kommen wir zur Echinokokkose: Hier ist der Mensch nicht der Ersatzendwirt, sondern der Ersatzzwischenwirt! Endwirte der Echinokokkose sind Füchse und Hunde, dies sind also die Tiere, die die Bandwurmglieder ausscheiden. Dummerweise sind die Bandwurmglieder der Echinokokkose besonders klein und auch wenig zahlreich, mit bloßem Auge kaum zu erkennen und in getrocknetem Zustand von Staub nun wirklich kaum noch zu unterscheiden. In den Bandwurmgliedern befinden sich Hunderte von Eiern und selbst diese reichen schon aus, um eine Infektion zu bewirken. Das macht diese Erkrankung so brandgefährlich. Gefährlich für Kleinnager, wie z.B. Mäuse - den Zwischenwirten - , oder eben auch für den Menschen, die Ersatzmaus oder den Ersatzzwischenwirt.

Der Mensch steckt sich direkt an seinem Hund an, durch Kontakt mit dem Fell,
etwa beim Kämmen. Infrage kommen hier also alle Hunde, die z.B. im Wald herumstreunen dürfen und dort Gelegenheit haben, die Zwischenwirte, wie Mäuse oder andere Kleinnagetiere zu fressen. Dabei muss unser Hund die Maus nicht selbst erlegen, es reicht auch, wenn er kleinere Reste der letzten Mahlzeit eines Raubvogels erhascht - oder wenn die Maus an Altersschwäche gestorben ist. Auch angefahrene Mäuse am Straßenrand könnten Infektionsquellen für Hunde sein.

Oder und wesentlich unwahrscheinlicher: der Mensch steckt sich an Lebensmitteln an, die mit den Eiern oder Bandwurmgliedern des Fuchsbandwurms kontaminiert sind: Pilze, Gemüse, Obst, Früchte, Trinkwasser.

Besonders gefährdet sind vor allem Jäger, Waldarbeiter, Tierpräparatoren, Tierärzte, Autobahnpolizisten, also alle diejenigen, die mit toten oder kranken Füchsen direkt in Berührung kommen.

Die Ansteckung ist in dem Maße auf dem Vormarsch, wie die Tollwut der Füchse zurückgedrängt wird: Früher war die einzige Maßnahme gegen die Tollwut das Jagen der Füchse: D
ie Fuchspopulation musste stets klein gehalten werden, um einen seuchenhaften Ausbruch der gefürchteten Tollwut zu verhindern. Mit der Fuchsimpfung gegen die Tollwut wächst die Fuchspopulation zwar tollwutfrei langsam heran, aber andere Erkrankungen, wie der Fuchsbandwurm, gewinnen an Bedeutung.

Das Merkblatt für Ärzte nennt als Verbreitungsgebiet des Echinokokkus granulosus (der im Hund vorkommt):
Dieser Parasit ist weltweit verbreitet. In Europa kommt er vor allem in Ländern am Mittelmeer vor. Die Häufigkeit ist in Deutschland dagegen relativ gering, so dass
die überwiegende Zahl der hier beobachteten Fälle (Ausländer, deutsche Touristen) aus den südlichen Ländern, insbesondere aus Mittelmeerländern, stammt.

Als Verbreitungsgebiet des Echinokokkus multilocularis (der im Fuchs, im Hund und selten in der Katze vorkommt) wird genannt: Dieser Parasit ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Er kommt in Mitteleuropa in einem Endemiegebiet vor, das Teile von Deutschland, der Schweiz sowie von Frankreich und Österreich umfass
t. In Deutschland wurde nach dem neuesten Stand der Kenntnisse E. multilocularis bei Füchsen in folgenden Bundesländern nachgewiesen: Bayern, Baden - Württemberg, Saarland, Hessen, Nordrhein - Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Mecklenburg - Vorpommern und Brandenburg. Einen besonders hohen Verseuchungsgrad weist die Schwäbische Alb auf.

Das heißt aber eben nicht, dass
nur Hunde, die im Mittelmeerraum im Urlaub waren, als Infektionsquellen infrage kommen, denn Hunde können auch den echten Fuchsbandwurm, also Echinokokkus multilocularis verbreiten - und den gibt es überall in Deutschland. Und auch eben nicht ist die Gefahr nur in der Schwäbischen Alb gegeben, mittlerweile ist auch jeder 3. Fuchs, der in der Eifel untersucht wird, infiziert.

Der Mensch als Ersatzmaus
Da ja Hund oder Fuchs oder Katze schon als Bandwurmträger identifiziert wurden, kommt für den sich ansteckenden Menschen bei der Echinokokose nur die unrühmliche Rolle als Ersatzmaus - also als Ersatzzwischenwirt inf
rage. Der Mensch entwickelt also keinen Bandwurm - was an sich ja noch harmlos wäre - sondern wird Träger der Finne, also der Larve des Bandwurms.

Im Merkblatt für Ärzte liest sich das so:
Die im Darm aus den Eiern frei werdenden Larven (Onkosphären) durchdringen die Darmwand und gelangen lymphogen und hämatogen in andere Organe. Am häufigsten sind die Leber, dann Lunge und Gehirn, z.T. auch Knochen (Röhrenknochen, Wirbelsäule) usw. befallen. Durch das langsame Wachstum der Finnen machen sich diese teils raumfordernden, teils destruktiven Prozesse erst Monate bzw. Jahre nach der Infektion klinisch bemerkbar. E. granulosus wächst blasenartig (zystische Echinokokkose, Hydatidose). E. multilocularis wächst tumorartig (alveoläre Echinokokkose). Je nach Parasitenart, Sitz und Größe des Prozesses entwickeln sich unterschiedlich schwere Krankheitsbilder. Am häufigsten sind folgende Symptome zu beobachten:

a) Leberechinokokkose - Inappetenz, Müdigkeit, Oberbauchschmerzen - Lebervergrößerung - Ikterus - Cholelithiasis ähnliche Anfälle ohne Gallensteinnachweis - eingeschränkte Zwerchfellbeweglichkeit - Magenausgangsstenose portale Hypertension

b) Lungenechinokokkose - meistens keine Symptome (Zufallsbefund) oder - Hämoptoe - Hydrothorax bzw. Spontanpneumothorax - Lungenrundherde.

Hört sich gar nicht gut an, oder
?? Es kommt noch schlimmer: Besonders die tumorartig wachsende Fuchsbandwurmfinne führt zu üblen Zerstörungen des befallenen Organes (hier im Beispiel eine Leber) - und eine Behandlung mit einem Wurmmittel kann allenfalls eine Verlangsamung des Finnenwachstums bewirken.

 
 

Die häufigste Behandlung ist hier immer noch die Radikaloperation, die Sterberate der Patienten ist leider recht hoch. Nicht, weil die Ärzte zu blöd zum Operieren wären, sondern weil häufig ein Organ zu stark oder gleich mehrere Organe gleichzeitig betroffen sind. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Diagnose, vor allem der relativ lange Zeitraum zwischen Infektion und Beginn der Erkrankung lässt oft einen Verdacht erst gar nicht aufkommen.

Sollten Sie jetzt aufgeschreckt worden sein, so sei Ihnen gesagt: Es
gibt hervorragende diagnostische Möglichkeiten, wenn einmal der Verdacht einer Ansteckung besteht: Blutuntersuchungen haben eine hohe Nachweissicherheit.

Beim Hund sieht die Sache schon wieder ein wenig anders aus: Kotuntersuchungen geben selbst bei negativem Befund keine ausreichende Sicherheit, der Bluttest sagt nichts darüber aus, ob der Hund zurz
eit gerade Bandwurmglieder ausscheidet, oder nicht.

Hier gilt: Vorbeugen in zweierlei Hinsicht:

1. Verhindern der Ausscheidung beim Hund

  • keine Verfütterung von nicht gekochten Schlachtabfällen an Hunde

  • keine Verfütterung jeglichen nicht erhitzten Futters in südlichen Ländern

  • regelmäßige Wurmkur mit einem gegen Fuchsbandwürmer wirksamen Präparat. (Achtung: die gelbe Wurmpaste ist nicht wirksam gegen Echinokokkose!!) Je nach Gefährdungslage alle 4-12 Wochen.

  • Hunde im Wald nicht frei herumlaufen lassen


2. Verhinderung der Ansteckung beim Menschen

  • Tot aufgefundene oder bei der Jagd erlegte Füchse nur mit Plastikhandschuhen anfassen und Tiere für den Transport in Plastiksäcken verpacken. Nach der Handhabung von Füchsen die Hände gründlich waschen. Hunde, die von Jägern in Fuchsbauten eingesetzt wurden, anschließend abduschen.

  • Achtung Autobahnpolizei: Beim Abfegen der Straße nach einem Fuchsunfall vorsichtshalber Schutzmaske tragen! Besen anschließend mit kochendem Wasser übergießen. Desinfektionsmittel sind unwirksam.

  • Nach Arbeiten mit Erde (z.B. Wald-, Feld- und Gartenarbeiten) jeweils die Hände gründlich waschen.

  • Waldfrüchte (Beeren, Pilze usw.), Gemüse, Salat, Beeren aus Freilandkulturen sowie Fallobst allein schon aus hygienischen Gründen vor dem Verzehr gründlich waschen und wenn möglich kochen. Tiefgefrieren bei - 20 ºC tötet die Eier des Fuchsbandwurmes nicht ab (sie verlieren erst bei - 80 ºC ihre Lebensfähigkeit).


 
 
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