Die
Kleintierpraxis am Westring - Zeit
für Deine Freunde
Der
Kaninchensommer: Flammendes Inferno
von
Malte Kubinetz
Fliegenmadenbefall
Die
Schmeißfliege hat poetische Namen: Goldfliege oder Lucilia, ist
aber ein eiskalter Tyrann: sie legt Ihre Eier nämlich ins Fell
anderer Tier; das sind bei meinen Patienten in der Regel die Igel und
die Kaninchen.
Innerhalb von einigen Stunden tummeln sich dann die aus den Eiern
geschlüpften Larven auf dem Tier und fressen sich durch die Haut
in ihren Wirt. Diese schwerwiegende Erkrankung nennt sich Myiasis.

Bei den Kaninchen ist besonders die Analregion betroffen; sind
die Fliegenmaden durch die Schleimhaut des Darms in die Bauchhöhle
vorgedrungen, dann sterben die Tiere. Von der Infektion bis zum
infausten Befall vergeht noch nicht mal ein Tag!
Kaninchen sind auch deshalb viel stärker betroffen, als andere
Säugetiere, weil sie die Angewohnheit haben, auf einer Stelle zu
kauern, wenn es ihnen nicht gut geht. Damit bieten sie der
grünlich schimmernden, gar nicht goldigen Schmeißfliege
einen prima Anflugplatz.
Jeder, der sich schon einmal mit hunderten wimmelnder Fliegenmaden
herumschlagen musste, weiß, wie schmerzhaft die Prozedur für
den Patienten und wie ekelig das Madensammeln für alle anderen
Beteiligten ist. – Nie wieder!
Exclusiv in der Kleintierpraxis am Westring
haben wir ab sofort für Sie einen Fliegenschutz für Ihr
Kaninchen mit einer Wirkungsdauer von 4 Monaten: eine Behandlung reicht
für den ganzen Sommer! Der Schutz kostet maximal € 19,99 und ist
für Ihr Kaninchen gut verträglich. Das Präparat mit dem
Wirkstoff Dicyclanil wird von uns einfach auf das Fell gesprüht.
Ein weiteres Problem im Sommer:
Hitzschlag!
Kaninchen sind Höhlenbewohner. Ihre Wärmeregulierung
kennt weder nennenswertes Schwitzen noch Hecheln: Die Tiere verkriechen
sich in ihrer natürlichen Lebensumgebung einfach unter die Erde.
Das klappt also Käfigtier natürlich überhaupt nicht.
Fazit: wird es unter dem Dach oder im Hof, auf der Wiese oder im
Kaninchenstall warm, dann erwärmt sich das Kaninchen wie ein
wechselwarmes Krokodil gleich mit. Wird es zu heiß, dann droht
ein Hitzschlag.
Vermeiden Sie also auf jeden Fall direkte Sonneneinstrahlung im
Kaninchenkäfig und achten Sie auf die Temperaturen: ab 29 °C
wird es auch im Schatten gefährlich!
Vorbeuge: bieten Sie Kühlung
in Form von Kühlakkus, kalten Getränken ect. an. Befeuchten
Sie das Fell der Tiere regelmässig mit kaltem Wasser. Ein
Sonnenschirm hilft kaum, Eiswürfelberge dagegen schon: Holen Sie
sich aus der Tanke einen Beutel Eiswürfel und machen Sie aus Ihren
Kaninchen Pinguine.
Die Frühsymptome sind eher unspezifisch für einen
heißen Sommer: die Tiere kauern, bewegen sich schwerfällig,
oft auch torkelig. Schließlich folgt der Kreislaufkollaps: die
Tiere können nicht mehr stehen, kippen um. Hier hilft nur noch
schnelle Aktion: Tiere mit kalten Tüchern einschlagen und ab zum Tierarzt.
Magenaufgasung
Kaninchen sind von Natur aus Grasfresser. Die richtige
Ernährung ist also im jeden Fall eine auf Gras basierte
Ernährung: drinnen Heu, draußen Gras von der Wiese. ABER:
Kaninchen haben eine mikrobiell basierte Verdauung: die Darmflora muss
die zellulosereiche Nahrung verarbeiten, bevor der Kaninchendarm die
Nahrungsbestandteile resorbieren kann. Und: jede Nahrung braucht eine
etwas anders zusammengesetzte Darmflora. Der Grund, warum wir einen
Blähbauch bekommen, wenn wir im Herbst die erste Portion
Grühnkohl essen: Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht,
die gasbildenden Darmbakterien gewinnen kurzfristig die Oberhand und
tun das, was sie nun mal so tun müssen: sie produzieren Gas.
Kaninchen bekommen ebenfalls einen Blähbauch, wenn sie abrupt von
einer Futtersorte auf die andere umgestellt werden: auch von Heu auf
Gras, obwohl es sich ja technisch um das gleiche Futtermittel handelt.
Aber auch hier muss sich die Darmflora erst langsam über einen
Zeitraum von ca. einer Woche umgewöhnen, sonst bläht´s!
Beim Kaninchen bläht es vor allem im Magen und in den
Blinddärmen. Und das ist umso gefährlicher, je höher die
Außentemperaturen sind:
Da das Kaninchen seine Körpertemperatur schlechter konstant halten
kann, als andere Säugetiere, sich also im Sommer erwärmt,
beschleunigt sich auch die mikrobielle Verdauung im Darm um ein
Vielfaches: Gase entstehen hier so schnell, daß der ohnehin
träge Kaninchendarm damit nicht fertig wird. Die Gase werden nicht
abgeführt, sondern sammeln sich im Magen und blähen diesen
auf. Innerhalb weniger Stunden so weit, daß die benachbarten
Blutgefäße (das sind die Hohlvene und die Hauptschlagader)
abgeschnürt werden. Kreislaufkollaps und rascher Tod sind die
Folge.
Eine Magenaufgasung ist ein absoluter Notfall und geht nicht von allein
wieder weg! Ohne tierärztliche Hilfe
stirbt der Patient innerhalb von einigen wenigen Stunden.
Vorbeuge: vor dem Umstellen auf die Aussensaison dem Tier über
eine Woche geringe, aber steigende Mengen frisches Gras zum Heu
dazufüttern, um die Darmflora zu trainieren.
Tiere 2 x täglich hochheben, umdrehen (s. Madenbefall) und die
Köttel kontrollieren: normal große, trockene, faserreiche
Köttel sprechen für einen normale Verdauung.
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