Das große Paradoxon: Hunde und Knochen - Kleintierpraxis am Westring: Service PLUS für Katzen

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Das große Paradoxon: Hunde und Knochen

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ich sage: Knochen gehören nicht in den Hund (ihr Hund mag das anders sehen, aber ich werde auch ihn überzeugen!), denn Knochen stellen im Hund nur Unsinn an und das fängt schon in der Mundhöhle an:

Mundhöhle:
Knochen sind fast härter als Zahnschmelz: Kaut der Hund regelmässig Knochen, dann nutzt er seine Zähne zu stark ab. Das Resultat sind Zahnstummel ohne die spitze Schmelzkappe, bei denen die Pulpahöhle offenliegt. An dieser Stelle sehen wir oft eine deutliche Karies. Knochenkauen kann auch zu Frakturen der Backenzähne führen. Steinekauen übrigens auch. Das ist genausowenig erlaubt.

Zahnbeläge werden durch Knochenkauen auch nicht bekämpft: Knochen sind dazu viel zu wenig elastisch. Besser sind hier die speziellen Kauplatten, die wie ein Zahnpflegekaugummi funktionieren.
Markknochen können auch schon mal am Zungengrund hängenbleiben und zu Erstickungsanfällen führen.

Hals:
Hier ist der erste Engpass, an dem ein Knochen hängenbleiben kann: Auch hier sind wieder besonders die beliebten Markknochen die Sündenböcke: Ausgerechnet mitten in der Brusthöhle, wo der Tierarzt am schlechtesten drankommt, ist der engste Teil der Speiseröhre: wenn, dann bleiben unsere "Fremdkörper" dort hängen. Relativ schnell gibt es hier Drucknekrosen der Speiseröhre, will heißen: durch den Druck des eingeklemmten Knochenteils wird die Schleimhaut derart geschädigt, daß es zum Durchbruch und damit zur Vereiterung der Brusthöhle kommen kann.
Außerdem kann Ihr Hund den Knochen auch "verschlucken": besonders kleine Knochenteile müssen öfters mit dem Endoskop aus den Bronchien herausgezogen werden. I
n einem solchen Fall ist Eile geboten: zu den enormen Hustenanfällen kann eine massive Atemnot kommt. Ein echter Notfall.

Magen:
hat der Knochen den ersten Engpass passiert, ist erstmal wieder genug Platz: im Magen können die Knochen nach Herzenslust herumkollern. Besonders die zerbissenen oder scharfkantigen Anteile machen hier Schleimhautreizungen bis zur Gastritis. Auch die vergrabenen Knochen können Ärger machen: sie enthalten gasbildende Erdbakterien, die ordentliche Magen-Darminfektionen verursachen können. Selbst der größte Knochen wird jedoch im Laufe der Zeit von den Magensäuren zersetzt, wird bröselig und in diesem Stadium dann weitertransportiert.

Darm:
der Darm ist ein vorsichtiges Organ: sogar Glassplitter werden manchmal im Darmkanal durchtransportiert, ohne daß Verletzungen auftreten. Deshalb sind die (leicht splitternden) Geflügelknochen auch für den Darm kein großes Problem (wie oft behauptet wird). Wohl aber für den Hals (siehe oben).

Die Knochenbrösel passieren den Darm, das einzige, was der Körper davon verwerten kann, ist das Calcium, also der Knochenkalk. Ein ungleichgewichtiges Angebot an Kalk in der Nahrung ist aber eher schädlich. So kann z.B. ein Überangebot zur Verkalkung der Wirbelsäule führen.

Im Enddarm endlich werden die Knochenreste zusammengebacken zu igelartig stacheligen Kotballen, die der Hund allein deshalb schon nicht freiwillig ausscheidet, weil das enorm schmerzhaft ist. So pressen die Patienten den Kot immer mehr und fester zusammen, der Enddarm (denn das ist seine eigentliche Aufgabe) entzieht den Kotballen weiterhin die Feuchtigkeit, sodaß zum Schluß eine zementfeste, bröselig, stachelige Masse den Darm verstopft. Das nennt der Tierarzt Koprostase, beobachtet es häufig am Sonntag (wenn samstag eine Grillparty lief) oder am zweiten Weihnachtstag (wenn der Hund sich an der Weihnachtsgans beteiligt hat). Koprostasen werden (unter Schmerzen) mit Klistieren gelöst, häufig hilft nur eine Narkose.

Alles in allem ist die Knochenfütterung also ein ziemlich unsinniges Unterfangen. Erklären Sie das Ihrem Hund, er wird sie verstehen. Vor allem, wenn Sie ihm statt dessen einen Kauknochen aus Büffelhaut anbieten. Der tut es genausogut, nur ohne die oben beschriebenen negativen Effekte.

Braucht ein Welpe Knochenkalk zu körperlichen Entwicklung?
Meistens nicht, denn Welpenfutter enthält schon erhöhte Mengen an Calcium. Ob das Calcium jedoch auch da ankommt, wo es hin soll, nämlich in die Welpenknochen, ist in erster Linie abhängig vom Vitamin D. Knochenwachstumsstörungen sind also Vitamin-D und / oder Calcium-Mangelerkrankungen. Es nützt in diesen Fällen nichts, Knochen zu füttern. Denn in Knochen ist kein Vitamin D enthalten.

Ein zweites Problem sind Knochenwachstumsstöungen aufgrund eines Überangebotes an Phosphor. Das ist zwar nicht in Knochen enthalten, aber in Fleisch. Da es unter Züchtern immer noch die Meinung gibt, daß ein Welpe pro Tag ein Kilo Fleisch braucht, um groß und stark zu werden, sieht man auch weiterhin diese durch eine übermässige Fleischfütterung entstandenen Wachstumsstörungen. Das gilt auch für die BARF-Ernährung, wenn diese nicht fachgerecht mit Calcium und Vitamin D supplementiert wurde. Besser ist es hier, die Fleischgaben auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, als auch noch Knochen hinterherzuwerfen. Die Zauberformel lautet:

ausgewogene Ernährung
Gerne biete ich Ihnen eine Ernährungsberatung an. Hier können Sie sich erkundigen, ob das Futter, das Sie Ihrem Hund in den Napf geben, auch wirklich ausgewogen ist. Ausgewogen auch ohne Knochen. Denn der nächste Knochen wird nicht verbuddelt, sondern wandert gleich in den Müll. Versprochen?

 
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