Bei der FIP Infektion der Katze gibt es immer noch mehr Fragen als Antworten. Auch wir werden oft nach der FIP befragt. Das liegt einerseits daran, daß die FIP eine recht weit verbreitete Krankheit ist - bei etwa jeder 6. -8. Katze, die pathologisch untersucht wird, wird auch eine Infektion mit dem FIP-Virus festgestellt - andererseits aber sicher auch daran, daß die Erkrankung so schwer zu begreifen ist:
- Das Virus ist fast flächendeckend verbreitet und trotzdem tritt die Krankheit nur sporadisch auf: Beispielsweise können Kätzchen aus einem Wurf an FIP erkranken, wohingegen ihre Wurfgeschwister und die Mutter verschont bleiben.
- Antikörper gegen das Virus - also Moleküle, die eigentlich dafür da sind, die Katze gegen die Infektion zu schützen - nützen nichts, können die Erkrankung schlimmstenfalls noch beschleunigen.
Wie ist das möglich? Fangen wir vorn an: Erreger der FIP sind die Coronaviren. Die meisten dieser Coronaviren sind harmlos, verursachen bei Katzenwelpen häufig einen kurzzeitigen "Welpendurchfall", leben also im Darmgewebe und treten ansonsten nicht weiter in Erscheinung. Trotzdem spielen diese harmlosen Darmviren die Hauptrolle bei der Verbreitung der Erkrankung: Gesunde Katzen, die die Coronaviren in ihrem Darm beherbergen, scheiden diese vor allem im Kot sowie in einem sehr frühen Infektionsstadium auch mal im Speichel und mit anderen Körperflüssigkeiten aus. Sie stecken also andere Katzen mit einer an sich harmlosen Darmerkrankung an. Soweit nicht weiter wild.
Wie wird nun ein Coronavirus zu einem wilden, also gefährlichen Subjekt, dem FIP-Virus? Durch Mutation. Das besondere an den Coronaviren ist nämlich ihr außergewöhnlicher Hang zur genetischen Veränderung. Mit anderen Worten: ob ein mit Coronaviren infiziertes Kätzchen tatsächlich zum FIP-Patient wird, ist ein spontanes, nicht vorhersehbares Ereignis. Das durch Mutation entstandene FIP-Virus ist dabei quasi eine Neuschöpfung, gerade erst entstanden.
Noch mal von vorn: wie könnte
eine FIP-Infektion stattfinden? Ein
Katzenkind
stammt von einer mit Coronaviren infizierten Mutter. Mit der
Muttermilch
nimmt es Antikörper gegen diese Viren auf und ist in der ersten
Lebensphase
vor einer eigenen Infektion geschützt. Deshalb ist die Muttermilch
so wichtig. Dieser Schutz hält aber nur einige Wochen vor. In dem
Maße, wie die "mütterlichen" Antikörper im Blut
des Kätzchens verschwinden, wird der Katzenwelpe empfänglich
für eine Infektion. Für die dafür notwendigen Viren
sorgt
die infizierte Mutter. Der kleine Körper reagiert auf die
Infektion
mit einem Welpendurchfall, beginnt selbst Antikörper zu
produzieren
und beherrscht die Krankheit, er wird immun. In vielen Fällen
schafft er es aber nicht, das Virus ganz aus dem Körper zu
vertreiben.
Der Katzenwelpe ist permanent infiziert, genau wie seine Mutter. Er hat
eine harmlose Coronavirusinfektion, Virus und Antikörper halten
sich
die Waage. Das Tier ist gesund. Dieses stabile Gleichgewicht kann sich
ändern, wenn das Immunsystem gestreßt wird, zum Beispiel
dadurch,
daß der Welpe in eine neue Umgebung umzieht. Andere
Streßfaktoren
können sein: Leukämievirus- oder
Immunschwächevirusinfektion,
Katzenkämpfe, Wurmbefall, chronische Erkrankungen. Das
gestreßte
Immunsystem verliert die Kontrolle über die Viren, die
"bösen"
Mutanten befallen schließlich die Abwehrzellen des Körpers
und
die FIP-Infektion nimmt ihren Lauf:
Die Symptome: FIP ist eine Gefäßerkrankung. Antikörper gegen das Virus haben keine Schutzfunktion, sondern beschleunigen den Krankheitsverlauf. Die Gefäße werden undicht und Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe: dicker, flüssigkeitsgefüllter Bauch und Fieber sind die Kardinalsymptome einer FIP. Die Gefäßkrankheit kann aber geradesogut an den anderen Stellen des Körpers auftreten, sodaß Symptome anderer Organe, wie z.B. Atemnot oder Leberschädigungen sowie Augen-oder Hirnschäden die Folge sein können. Auch der dicke Bauch ist kein "Muß", es geht auch ohne: das ist dann die sogenannte "trockene FIP". Die Symptome sind also vielfältig, die Diagnose nicht einfach. In solchen Fällen hilft dem Mediziner oft ein Bluttest. Nicht so bei der FIP!
Machen wir es kurz: der Test weist nicht das FIP-Virus nach. Das geht deshalb nicht, weil sich dieses ja ständig verändert, also mutiert. Kein Test der Welt kann ein Virus nachweisen, das quasi noch garnicht existiert. Der Test weist die Antikörper nach, die der Körper nach der Infektion mit Coronaviren bildet. Ob daraus dann eine FIP entsteht- siehe oben- ist aber ein reiner Zufall und durch den Test nicht voraussehbar. Sogar die Höhe des Antikörper-Spiegels, der sogenannte Titer, sagt nichts über die Krankheitswahrscheinlichkeit aus. Jede positive Katze kann an FIP sterben, ganz egal wie hoch der Titer ist. Hochgradig erkrankte Tiere können sogar manchmal vollständig negativ werden: ihre Antikörper sind verbraucht, der Test schlägt nicht mehr an. Klinisch gesunde Coronavirusträger können das Virus manchmal auch eliminieren, also wieder negativ werden. Nach ca. 2 Jahren lohnt sich ein erneuter Test bei diesen Katzen.
Keine FIP kriegen Katzen, die nicht infiziert sind mit Coronaviren. Sagt uns der Test denn wenigstens, ob eine dann negative Katze auch Coronavirus-frei ist? Ja- mit einer Genauigkeit von ca 85%. Das ist ja schon mal was! Also: der Test ist zur Diagnose der FIP nicht geeignet. Ob ein Tierarzt eine FIP diagnostiziert, hängt von einer ganzen Reihe von Tests ab, von einem Testprogramm. Wohl geeignet ist der Test, um zu entscheiden, ob ein Tier coronavirusfrei- und dann impffähig ist.
Ist die
Katze
mit Coronaviren bereits infiziert, schützt eine nachfolgende
Impfung
leider nicht mehr. Impffähig sind also nur Tiere, die
Coronavirusfrei
sind. Hier -s.o.- hilft der FIP-Test. Ist geklärt, daß der
Impfling
noch nicht angesteckt ist, kann ihn die Impfung vor einer Neuansteckung
schützen. Zu empfehlen ist die Impfung v.a. für Katzen, die
Kontakt
mit anderen Katzen haben - in Katzenzuchten, in der Katzenpension, im
Tierheim
- , oder im eigenen Garten. Die Impfung ahmt den natürlichen Weg
einer
Tröpfcheninfektion nach und wird in die Nase geträufelt. es
entsteht
ein Schutz an den Schleimhäuten, der das Eindringen der
Coronaviren
in den Körper verhindert. Der Impfling ist geschützt.
Die Ansteckung: Das nicht mutierte Coronavirus wird fäkal - oral übertragen. Die mutierte Form wird nicht mit Se- oder Exkreten ausgeschieden, eine Übertragung gilt damit als sehr unwahrscheinlich. Coronaviren können in der Aussenwelt etwa sieben Wochen überleben. Für eine Ansteckung ist der direkte Kontakt mit Coronavirus-infizierten Katzen nicht notwendig, Kontakt mit deren Kot ist ausreichend. FIP-erkrankte Katzen sind nicht ansteckender, als Coronapositive "gesunde" Ausscheider. Im Gegenteil. Unter diesem Aspekt macht es keinen Sinn, erkrankte Katzen zu isolieren, oder nach einem Todesfall die Wohnung über mehrere Wochen "katzenleer" zu lassen.