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von Malte Kubinetz
Treten bei Katzen Verhaltensstörungen auf, so steht ungewöhnliches
Verhalten beim Urin- und Kotabsatz absolut an erster Stelle. Wir
Tierärzte
nennen das Unsauberkeitsprobleme. Im wesentlichen sind diese
Probleme
durch vier Ursachen bedingt:
leidet die Katze an Krankheiten, die ihr das Urinieren oder den
Kotabsatz
erschweren, z.B. an Blasensteinen, Nieren- oder Blasenentzündung,
zu hartem oder zu weichem Stuhl, dann müssen wir uns nicht
wundern,
daß sich das Verhalten auf der Katzentoilette ändert. Denn
Katzen
haben ein ganz eigenes Verhaltensmuster: sie meiden Orte, an denen sie
Schmerzen empfunden haben! Hat es also erst einmal beim Pinkeln
geschmerzt,
dann "versucht" die Katze das nächste Mal ein anderes
Plätzchen.
Bei der Blasenentzündung beispielsweise ist es ganz typisch,
daß
die Katze immer wieder in kurzen Abständen an verschiedenen Orten
das Pinkeln probiert.
Also: nicht alle Unsauberkeitsprobleme sind wirklich
Verhaltensstörungen.
Oder umgekehrt: erst einmal sollte der Tierarzt
feststellen, ob die Katze wirklich organisch gesund ist.
machen wir uns nichts vor: jede Katze leidet unter dem Katzenklo.
Lieber
würde sie beim Nachbarn ins Erdbeerbeet gehen, verschiedene
Plätze
aufsuchen und einen trockenen, weichen, pfotensanften Boden bevorzugen.
Und deshalb fangen die meisten Unsauberkeitsprobleme bei Katzen auch
mit
der Katzentoilette an.
Die Stiftung Warentest beschäftigt sich regelmässig mit den Katzenstreus. Auffallend dabei ist, daß der Anteil der mit gut bewerteten Präparate eher klein ist und zumeist aus dem Bereich der sog. Klumpstreus kommt. Außerdem schneidet ein Streu aus Holz in der Spitzengruppe ab. Was die Stiftung Warentest nicht bewerten kann, ist das persönliche Empfinden, das eine Katze auf dem Klo vermittelt bekommt. Neben "Feuchtigkeitsaufnahme" und "Geruchsbindung" sind für Katzen andere Kriterien wichtig: wie gut läßt sich das Streu scharren, wie fühlt es sich an den Pfoten an, wie schmeckt es (beim Pfotensäubern) usw. Und da machen Katzen (und Tierärzte) immer wieder die gleichen Erfahrungen: am besten funktionieren die Ultra-Klumpstreus, am schlechtesten die Streus aus Stroh, Papier, Holz, Pflanzenfasern und groben Kalkkörnchen. Oder anders ausgedrückt: die wenigsten Probleme gibt es mit dem teuersten Streu. (Hätte man sich ja auch gleich denken können) Das Präparat heißt Catrine Super und kann weit mehr als sein Eigengewicht aufsaugen (und auch geruchtsarm binden). Mein Tip: bieten Sie Ihrer Katze ein "kaltes Buffet" aus verschiedenen Katzenstreus (für diesen Versuch taugen zum Katzenklo auch einfache flache Kartons) und Ihre Katze wird Ihnen die richtige Marke zeigen.
Kaum eine Katze kann die Tunnelklos leiden. Wenn Ihre Katze ein
Unsauberkeitsproblem
entwickelt, dann öffnen Sie als erstes den Deckel vom Klo. Katzen
lieben es nicht, ihre Geschäfte an verkehrsreichen Plätzen
der
Wohnung zu verrichten (Sie ja auch nicht!) und gleichfalls nicht in der
Nähe des Eßplatzes (Sie dito!). Außerdem meiden sie
Klos,
die neben ihrem Schlafplatz stehen. Der beste Platz für ein
Katzenklo
ist also: woanders!
das Harnmarkieren ist das Verhalten, das dazu führt, daß die
meisten Katzen kastriert werden. Denn es tritt besonders gehäuft
in
den Streßphasen der Sexualität auf. Wenn Kätzinnen
rollig
sind, oder Kater geschlechtsreif werden und ein Revier erobern
müssen.
Tatsächlich ist das Urinmarkieren aber ein natürliches
Verhalten,
das durch eine Operation nicht einfach herausgeschnitten werden kann.
Die
Kastration ist also keine Versicherung: auch kastrierte Tiere zeigen
dieses
typische Katzenverhalten. Das Setzen von Harnmarken ist relativ leicht
von anderen Unsauberkeitsproblemen zu unterscheiden:
Hier eine Anleitung für Katzen:
Harnmarkieren dient zur Kennzeichnung des Reviers der Katzen. Denn der Urin enthält Botenstoffe, sogenannte Pheromone. Die Pheromone im Urin drücken vor allem Stress aus, sexuelle Erregung etwa, aber auch Stress durch eine Änderung in der vertrauten Umgebung: neue Möbel, neue Mitmenschen, neue oder fremde Katzen, oder sogar eine komplett neue Umgebung, z.B. nach einem Umzug.
Andererseits gibt es auch Pheromone, nämlich die im Gesicht
der Katze, mit denen die Katze Wohlbefinden signalisiert. Man nennt
das auch Köpfchengeben und das geht so:
Nun könnte man ja auf die Idee kommen, daß in einer
Umgebung,
die für die Katze vertraut riecht, also mit Gesichtspheromonen
versehen ist, kein Katzenstress aufkommt! Und genau so ist es auch:
Harnmarkieren
kann man mit Gesichtspheromonen aus der Flasche behandeln. Flasche
gibt's
bei uns. Gebrauchsanweisung
auch.
nur in etwa 15 % der Fälle ist eine ereignisbezogene Ursache Grund
für die Unsauberkeit der Katze. Die meisten
Fälle gehören also in Gruppe 1-3.
Häufig bedarf es eines Hausbesuches Ihres Tierarztes, um der Ursache der Unsauberkeit auf die Spur zu kommen, zumindest aber eines intensiven Gesprächs. Ursachen können sein: Angst vor Mitbewohnern, evtl. auch anderen Katzen, falsch oder gar nicht erlerntes Toilettenverhalten oder eben auch Reaktionen auf die Umwelt (Vernachlässigung, Eifersucht, Katzenstreß usw.)
Haben Sie eine solche Katze, dann brauchen Sie vermutlich auch die
Hilfe
eines versierten Tierarztes, um Teppichboden und Möbel zu retten.
Erste-Hilfe-Maßnahmen können sein:
Eins ist jedoch inzwischen in der Verhaltensforschung klar geworden:
Katzen
machen nicht aus Protest oder Boshaftigkeit in das Bett Ihres Menschen.
Eher schon drückt dieses Verhalten eine Angst aus, z.B. wenn die
Katze
längere Zeit allein im Haus verbringen muß. Oder der/die
(gut gemeinte/n) Katzenpartner für zusätzlichen Stress
sorgt/en..
Und zum Schluß noch etwas eher banales: Viele Unsauberkeitsprobleme lassen sich einfach dadurch lösen, daß der Katze ermöglicht wird, nach draußen zu gehen. Denn das Katzenklo (s.o.) ist eben doch nur ein Kompromiß. Häufig kann man auch von einer Etagenwohnung aus eine "Katzenleiter" vom Balkon anbringen, um der Katze den Auslauf zu ermöglichen.