Die Kleintierpraxis in Wesseling - Zeit für unsere Freunde 



  Coole Borrelien - Facts

Mittlerweile hat sich die Borreliose in Mitteleuropa flächendeckend verbreitet, von einem Süd - Nord - Gefälle kann man eigentlich nicht mehr sprechen. Ca. jede 3. - 5. Zecke enthält den Erreger. Ca. 2 - 10 % aller Hunde haben mit dem Erreger der Lyme-Borreliose schon Kontakt gehabt. Die Borreliose ist also eine von Zecken übertragene Krankheit. Es gibt mehrere Borrelienarten, in "unseren" Zecken finden sich drei Arten. Die Borrelien-Art B.b.s.s. (aus der der Impfstoff gewonnen wird) ist weltweit am weitesten verbreitet, ist bei uns jedoch die seltenere Art.  Das löst derzeit in der Hundewelt Diskussionen über den Erfolg der Impfung aus: Fakt ist: B.b.s.s. ist die einzige Borrelienart, für die klin. Symptome beim Hund nachgewiesen wurden. Die beiden anderen Borrelienarten (B. afzelii und B. garinii) machen den Hund nicht krank (Liebisch A. u. G. (2003): Zeckenborreliose Lyme-Krankheit beim Tier, Spitta-Verlag, Balingen, 4. Aufl., S. 43).

Die Borreliose, auch Lyme - Borreliose genannt, ist eine oft fieberhafte Krankheit, die grippeähnliche Symptome, Hautrötung an der Zeckenbißstelle, später Gelenksentzündungen (Polyarthritis), Nierenentzündungen (Glomerulonephritis), Nervenentzündungen (Neuritis, Meningitis), und Herzerkrankungen (Endocarditis, Pericarditis) hervorruft. Die Krankheit verläuft in Schüben, eine erfolgreiche Behandlung des akuten Schubes kann trotzdem weitere Schübe nicht  sicher unterbinden. Chronische Arthritis, chronische Neuritis und chronische Hauterkrankungen können die Spätfolgen sein.

Die Diagnose bei Borreliose-Verdacht erfolgt über einen Bluttest. Dieser weist Antikörper des Patienten gegen die Borrelien nach oder die DNA der Parasiten.

Krankheitserscheinungen treten im Mittel erst nach ca. 70 Tagen auf. Eine rechtzeitige Behandlung nach einer Borrelien-Infektion ist daher möglich. Eine Behandlung erscheint nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ohnehin erst nach ca. 50 Tagen sinnvoll, um dem Hundepatienten nicht die Möglichkeit zu nehmen, selbst Antikörper zu bilden. Eine überstandene Erkrankung beschert dem Patienten jedoch keine dauerhafte Immunität und damit keinen Schutz vor weiteren Infektionen. Das hat vor allem damit zu tun, daß die Borrelien im Körper des Patienten außerordentlich variabel an ihrer Oberfläche sind. Sie verändern dabei die oberflächliche Proteinschicht (OspC), die die Antikörper erkennen sollen. Eine Impfung gegen den Erreger scheint aufgrund dieser Variabilität schwierig: Impfantikörper können nur dann den Erreger inaktivieren, wenn dieser für sie an der Oberfläche immer gleich aussieht (Ähnliche Schwierigkeiten gibt es beispielsweise bei der Entwicklung eines HIV - Impfstoffes für den Menschen). Später dazu mehr.
Zur Behandlung werden Antibiotika in relativ hohen Dosen über einen langen Zeitraum von 30 Tagen verabreicht. Arzneimittelnebenwirkungen sind bei der Behandlung v.a. mit Doxycyclin nicht gänzlich auszuschließen. Die Behandlung heilt die Symptome eines akuten Schubes zuverlässig, der Patient gesundet, der Erreger wird jedoch nicht vollständig eliminiert. Damit kann es später zu weiteren Schüben kommen. (s.o.)

Entgegen der - auch im Internet - weit verbreiteten Meinung gibt es keine genetisch bedingte Resistenz gegen die Borreliose. Auch scheinbar resistente Tierarten, wie z.B. die Katze, werden infiziert und erkranken (d.h. die Borrelien lassen sich in den Gelenken der Patienten nachweisen). Die Symptome allerdings erkennen wir oft nicht. Die Tatsache allein, daß man selten humpelnde Füchse oder Rehe im Wald sieht, ist kein Beweis dafür, daß diese Tierarten nicht erkranken.

Die Borrelien passen sich ihrem jeweiligen Wirt an. In der Zecke haben sie eine oberflächliche Proteinschicht (OspA), die den Temperaturbedingungen des Wirtes Zecke (~ 20°C) optimal angepasst ist. Glücklicherweise ist dieses Protein stabil genug, um dagegen einen Impfstoff entwickeln zu können. Die allermeisten auf dem Weltmarkt erhältlichen Impfstoffe sind also Anti -  OspA-Impfstoffe. Schauen wir also kurz auf die Situation beim Zeckenbiß:

Das Blut geimpfter Hunde mit Anti - OspA tötet die Borrelien bereits im Darm der Zecke (!), eine Wanderung in der Zecke und Übertragung auf den Hund findet dann nicht mehr statt. Der Impfstoff wirkt  also in der Zecke und nicht im Hund und nur gegen Borrelien in Zecken (mit OspA) und nicht gegen Borrelien in Hunden (mit OsPC).

Die Impfstoffe auf dem Weltmarkt sind nahezu ausnahmslos (s.o.) Anti - OspA - Impfstoffe. Das OspA wird entweder gentechnisch hergestellt, oder aus Borrelien gewonnen. Dabei wird ein Lysat gebildet, das ein Proteingemisch enthält. Durch einen Filterschritt wird erreicht, daß das Endprodukt im überwiegenden Anteil aus OspA besteht. Lebende Borrelien sind im Impfstoff nicht enthalten.
Alle Borrelienarten enthalten (in der Zecke) OspA, ein Anti-OspA-Impfstoff sollte also gegen alle Borrelien schützen. Der in Deutschland erhältliche Impfstoff  gewinnt sein OspA aus B.b.s.s. und im Labor wirken die Impfantikörper besser gegen B.b.s.s. als gegen die anderen Borrelienarten. Eine Kreuzreaktivität gegen die anderen Zeckenarten wurde jedoch ebenfalls nachgewiesen. Wie die Impfung in der Zecke wirkt, ist nicht untersucht. Im Hund werden nach der Impfung Antikörper gegen OspA in genügendem Maße gebildet. Allerdings können im ersten Jahr der Impfung bei einigen wenigen Patienten die Impfantikörper im Laufe des Zyklus unter die kritische Marke abfallen. Eine weitere Nachimpfung zusätzlich zu der vom Hersteller empfohlenen nach ca. 6 Monaten ist  deshalb sicherer und ratsam.

   Die Impfung cool zusammengefasst:

  1. die Schutzwirkung ist im 2. Jahr besser, als im ersten Jahr.
  2. die Schutzwirkung ist im Labor bei verschiedenen Borrelienarten unterschiedlich gut. Eine Kreuzreaktivität gegen die anderen Zeckenarten wurde jedoch ebenfalls nachgewiesen. Es ist nicht untersucht, ob sich dieser Unterschied in der Praxis auswirkt.
  3. Der in Deutschland erhältliche Impfstoff ist kein Sonderfall: nahezu alle auf dem Weltmarkt erhältlichen Borrelioseimpfstoffe sind Anti - OspA - Impfstoffe
  4. eine Impfung bereits erkrankter Tiere ist nicht ratsam: Bei manchen Rassen (z.B. Berner Sennenhund) könnte dies sogar gefährlich sein. Hier ist ein Test vor der ersten Impfung ratsam, wenn der Hund bereits Zecken hatte.
  5. Eine Impfung erfolgreich behandelter Tiere ist jedoch möglich.
  6. Die Prophylaxe der Borrelieninfektion besteht aus drei Säulen:
1. tägliche Zeckenkontrolle (Absammeln innerhalb der ersten 24 Std. kann die Infektion verhindern)
2. Practic oder Frontline zur Floh- und Zeckenprophylaxe regelmässig anwenden. (alle 4 Wochen)
3. Impfung